Unsere nächsten Konzerthighlights!

Mai 2020:

LILI BOULANGER:

Du fond de l’abîme (Psalm 130), 1917
La terre appartient à l’Éternel (Psalm 24), 1916
Ils m’ont assez opprimé dès ma jeunesse (Psalm 129), 1916

 

ANTONÍN DVOŘÁK:

Messe in D-Dur, 1892

Kaum schlägt man vor, Werke einer Komponistin zu singen, fällt allen auf, wie selten man Werke von Komponistinnen singt. Kaum schlägt man jedoch vor, Werke der Komponistin Lili Boulanger zu singen, googeln alle und sagen: Stimmt nicht, die heißt Nadia. Lili lebte ihr kurzes, von Krankheit begleitetes Leben an der Seite einer Komponistinnenschwester, die tatsächlich wenige Sekunden schneller in der Suchmaschine gefunden wird und dabei 61 Jahre älter wurde. Es war Nadia, die nach dem frühen Tod ihrer Schwester mit nur 24 Jahren die Verbreitung ihres Werks förderte. Lili Boulanger ist nicht nur erste weibliche Preisträgerin des Prix de Rome (was ihr nicht nur frauenfreundliche Kommentare hinterhertragen ließ), den auch Berlioz und Bizet verliehen bekommen haben (sowie ihre Schwester Nadia, die den zweiten Platz 1904 belegte), sondern hat in fast 25 Lebensjahren mehr als 60 Werke komponiert. Sich drei ihrer Psalmen  zusammen mit der D-Dur Messe von Antonín Dvorak in einem Konzert zu widmen, bedeutet nicht nur werkimmanente Kontraste aufzugreifen: Bei Boulanger ist es vor allem eine ihr eigene musikalische Dramatik, die mit den drei gewählten Psalmen (Übersetzt: Aus der Tiefe des Abgrunds (Psalm 130), Die Welt gehört dem Ewigen (Psalm 24), Seit meiner Jugend unterdrücken sie mich (Psalm 129)) zur Aufführung kommt. Mit diesen hat sie es geschafft, persönlichen Schmerz in der Auflösung eines allgemeinen Schmerzverständnisses zu vertonen.

Dvoraks D-Dur Messe hingegen zeichnet sich nicht durch seine individuelle Erfahrung mit dem Glauben, sondern vielmehr durch die Fertigkeit aus, einen sakralen Text mit einem Hauch ländlich geprägter Gottesehrfurcht zu komponieren. Die Messvertonung von Dvorak entstand ebenso wie die unmittelbar persönliche Psalmentrilogie von Lili Boulanger aus einem prägenden katholischen Weltverständnis. Dvorak komponierte die D-Dur Messe für den Architekten und Gründer der Tschechischen Akademie der Wissenschaften und Künste, Josef Hlávka, der damit die neue Kapelle in seinem Schloss einweihen ließ.

In diesem Doppelkonzert stehen nicht Komponistin gegen Komponist, wie es zweifelsohne gelesen werden kann. studiosi cantandi Berlin sind das Kontrastmittel, das in diesem Konzert zwei Maxime des musikalisch messbaren Umfangs hörbar macht.